NATO Luftverteidigungsanlage - Bunker "Erwin" Börfink

NATO Air Defense Site - Bunker "Erwin" - Boerfink / Germany

 

letzte Änderung:  13.02.2018

©  by Rodrigo H Gebhard


 

Geschichte

Der Bunker  Erwin  (nationaler Deckname) liegt in der Nähe der kleinen Ortschaft Börfink am Erbeskopf. Der erste Spatenstich für das neue Bauwerk war am 01.04.1960. Dauer der Bauarbeiten: 1960 - 1963. Der Probebetrieb begann im Jahr 1963. Die Inbetriebnahme als Luftverteidigungs CRC (Control and Reporting Center) "Scandalize" der Amerikanischen- und Deutschen Luftwaffe war am 01.06.1964. Einheiten waren die 615th ACWS (Air Control and Warning Squadron) der USAF  und die I./Fernmelderegiment 32 der Luftwaffe - beide stationiert in Birkenfeld/Nahe. Gearbeitet wurde 24h in Tagschichten (Day Shift), Spätschicht (Swing Shift) und Nachtschichten (Night Shift). Es pendelten Linienbusse der USAF/Luftwaffe nach Fahrplan zwischen Birkenfeld (diverse Haltestellen) und den einzelnen Bauwerken am Erbeskopf (Börfink, Erbeskopf, Sandkopf, Ruppelstein). Die elektronische Ausrüstung des CRC bestand aus dem "Air Weapons Control System 412L" (GPA 73) von General Electric, das 1984 außer Dienst gestellt wurde. Nachfolger war das System "GEADGE" (German Air Defense Ground Environment) der Fa. Hughes. Soldaten der 7./FmRgt32 und der 615th ACWS machten Dienst in der Operationszentrale (OPS) des 412L Systems in "Erwin" (Nationaler Deckname). Dienstsprache war Englisch. Wir wurden administrativ eng an die Amerikaner angebunden, z.B. Bunker-Ausweise, Bilder usw. (hier ein Bild (1968) vom amerikanischen Bunkerausweis). Ich selbst wurde von der technischen Schule I der Luftwaffe in Lagerlechfeld am 25.04.1968 zur 7./Fernmelderegiment 32 versetzt. Meine erste Tätigkeit war in der ID - Identifizierungs Sektion (Identification Section) als ID-Operator und Flight Plan Correlator. Am Telefon (GTA-6) wurden - für die Luftverteidigung relevante - Flugpläne mitgeschrieben. Diese wurden von Soldaten des ADNC (Air Defense Notification Center) Det.5/615th ACWS, die am Flughafen Frankfurt bei der zivilen Flugsicherung stationiert waren, an uns durchgegeben. Chef der Sektion - IDO (Identification Officer) - war ein Amerikaner - ebenso wie der leitende Feldwebel. Urlaubsanträge und freie Tage liefen zuerst über Amerikaner und dann zu unserer Stammeinheit.  Später wechselte ich nach einer Bewerbung zur Waffenleitabteilung (Weapons). Am 19.08.1968 wurde ich mit der gesamten 7./Fernmelderegiment 32 nach Lauda/Baden versetzt um den dort neu gebauten Bunker "Gustav" in Betrieb zu nehmen. Das CRC  Scandalize  früher  Waterhole   - später  Hardtire   (NATO Nicknames) wurde ab diesem Zeitpunkt von der 615th ACWS alleine betrieben.

Das CRC Börfink war auch der Backup Standort des SOC 3 (Sector Operations Center 3) in Kindsbach (Pfalz) NATO Nickname  Coppering 

Die Verbindungsstelle 72 der Bundesanstalt für zivilen Luftschutz (BzL) war im CRC angesiedelt - besetzt mit Mitarbeitern des Warnamtes VII Weinsheim.

Nach meiner aktiven Dienstzeit habe ich ab Mitte der 80er Jahre "einige" Wehrübungen in "Erwin" abgeleistet - als Mitglied der "German Training Cell" (Weapons) der 1./Fernmelderegiment 32 / später Radarführungsabteilung 21 / RadarFüKp 211 (RadarFührungs Kompanie 211) - zusammen mit Soldaten der 615th ACWS. Bis zur Außerdienststellung des CRC "Hardtire" war ich als Alarmreservist dort eingeplant/eingesetzt.

Am 30.09.1992 meldet sich das CRC "Hardtire" vom Luftverteidigungseinsatz ab! Der Bunker "Erwin" wird geschlossen - zuerst ans Heer übergeben und später durch die BImA zum Kauf angeboten und 2013 dann verkauft an eine IT Firma. Die Radargerätestellung (Sensor) auf dem Erbeskopf, die Funksendestellung auf dem Sandkopf und die Funkempfangsstellung auf dem Ruppelstein werden weiter im Verbund der Luftverteidigung betrieben.

 

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